VAMV Schleswig-Holstein zu Kinderarmut im Sozialausschuss

VAMV Schleswig-Holstein zu Kinderarmut im Sozialausschuss

 

Vertreterinnen des VAMV haben am 2. Mai 2024 eine mündliche Stellungnahme im Sozialausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags abgegeben und ihre Sichtweise auf Kinderarmut deutlich gemacht.

 

Seit langem ist bekannt, dass Kinder von Alleinerziehenden mit 43% das höchste Risiko haben, in Armut zu leben. In Schleswig-Holstein gab es laut Sozialministerium im Jahr 2023 insgesamt 101.000 Alleinerziehendenfamilien. Das sind ein Viertel aller Familien! Dabei handelt es sich bei rund 80% um alleinerziehende Mütter und bei rund 20% um alleinerziehende Väter.

 

Obwohl alleinerziehende Mütter mit 46% deutlich häufiger vollzeitberufstätig sind als Mütter in Paarbeziehungen mit 29%, reicht ihr Arbeitslohn häufig nicht aus, um das Existenzminimum für sich und ihre Kinder zu sichern. Frauen sind am Arbeitsmarkt immer noch benachteiligt. Sie erhalten weniger Lohn, können durch Geburt von Kindern und Betreuungsaufgaben Qualifizierungsschritte häufig nicht kontinuierlich gehen und kommen aus Teilzeitbeschäftigung nicht raus, weil dies der Arbeitsmarkt nicht anbietet und flexible Betreuungsangebote für ihre Kinder an Randzeiten oder an Wochenenden fehlen.

 

Rund 20% der Einelternfamilien in Schleswig-Holstein erhielten im Jahr 2021 Leistungen nach dem SGBII und nur 3,2% erhielten Kinderzuschlag. In Anbetracht des allgemeinen 43%igen Armutsrisikos ergibt sich eine Differenz von etwa 20% der Schleswig-Holsteinischen Einelternfamilien, die, obwohl sie von Armut bedroht sind, keinerlei stattliche Unterstützungsleistungen erhalten. Diese Alleinerziehendenfamilien meistern ihren Alltag unter sehr bescheidenen Bedingungen. Sie beantragen keine öffentlichen Leistungen, weil sie nichts davon wissen, z.B. vom Kinderzuschlag, weil ihnen die bürokratischen Hürden zu hoch sind oder weil sie sich als Alleinerziehende stigmatisiert fühlen und sie sich nicht outen möchten.

 

Die Zahlen zeigen allerdings auch, dass mehr als die Hälfte aller Einelternfamilien ihren Alltag vollkommen selbständig finanziell absichern und für ihre Kinder sorgen. Deshalb müssen alleinerziehende Mütter und Väter gesellschaftlich aufgewertet werden! Sie verdienen Anerkennung für ihre Leistungen! Ihre Familien müssen grundsätzlich finanziell besser unterstützt werden! Bis zur Einführung der Kindergrundsicherung müssen die Mittel des Kinderzuschlags besser ausgeschöpft werden! Alleinerziehende Mütter und Väter brauchen pragmatische Lösungen, damit ihre Kinder nicht in Armut aufwachsen.